Das Wehrmachtsgefängnis Anklam gehörte während des Zweiten Weltkrieges zu den acht zentralen Wehrmachtsgefängnissen im sogenannten Heimatkriegsgebiet. In dieser Zeit sind mehrere tausend Wehrmachtsangehörige inhaftiert gewesen. Neben kriminellen Delikten kamen zahllose Wehrmachtsangehörige in das Anklamer Gefängnis wegen Fahnenflucht, unerlaubter Entfernung und Wehrkraftzersetzung. Bisher ist bekannt, dass 134 Soldaten und Offiziere in Anklam hingerichtet wurden, zumeist wegen Fahnenflucht. Sie wollten sich aus ganz unterschiedlichen Motiven dem weiteren Einsatz für die verbrecherischen Kriegsziele der Nationalsozialisten entziehen. Während des Zweiten Weltkrieges bestanden ca. 1000 Kriegsgerichte, von denen geschätzte 30.000 Todesurteile verhängt wurden, davon wurden 20.000 vollstreckt. Im Vergleich: Während des Ersten Weltkrieges ließ die deutsche Militarjustiz 48 Todesurteile vollstrecken. Durchdrungen von nationalsozialistischem und rassenbiologischem Gedankengut, erfüllt von blinder Pflichterfüllung, wurden die NS-Militärrichter zu aktiven Werkzeugen des faschistischen Terrors. Mit zunehmender Kriegsdauer saßen immer weniger Verurteilte ihre Strafen in den Wehrmachtsgefängnissen ab. Von hier gingen die Transporte in die berüchtigten Bewährungs- und Strafeinheiten, zumeist an der Ostfront. Lebensgefahr, Schikane, geringste Verpflegung und mangelnde medizinische Versorgung gehörten zum Alltag der "anderen Soldaten".

Ein Denkmal im Friedenszentrum
Informationen zum Wehrmachtsgefängnis Anklam
Ausführlichere Informationen finden Sie in der Broschüre "In Anklam aber empfängt mich die Hölle" von
Dr. Andreas Wagner (Politische Memoriale e.V. MVP) ISBN 3-933521-06-8
Geschichte der Gebäude
aktuelles aus Anklam
ehemalige Kriegsschule
(vor 1945)
später Wohnraum für viele
Familien
heute bemüht sich die
Stiftung
Zentrum für Friedensarbeit
Otto Lilienthal + Hansestadt
Anklam
um diese Gebäude
ehemaliges Wehrmachtsgefängnis
Anklam
ehemaliges Wehrmachtsgefängnis
"Zelle der letzten Nacht"

nachgewiesen sind
139 Hinrichtungen
und sein Umfeld, die Südstadt Anklam

Chronologie zum WG Anklam
Januar 1934

März 1935
August 1939


1939/40


5. November 1941/
1942




1942


1942


August/Sept.1944


26. April 1945
28. April 1945

1945 - 1990
1990 - 2005
2005
Wiedereinführung der Militärgerichtsbarkeit
am 1. Oktober 1936 das Reichskriegsgericht in Berlin gegründet
Wiedereinführung der Wehrpflicht
Kriegssonderstrafrechtsverordnung (KSSVO) tritt in Kraft, verschärft das Strafmaß und weitet Strafandrohungen aus, Fahnenflucht und das neu eingeführte Delikt "Wehrkraftzersetzung" gelten als politische Verbrechen
Bauliche Fertigstellung des Wehrmachtsgefängnisses Anklam, seine Kapazität ist auf ca. 600 Häftlinge berechnet, im Kellergeschoss ist der Todeszellentrakt mit 19 Zellen ausgestattet
Die ersten drei Soldaten werden hingerichtet
Laut Strafvollstreckungsplan ist das WG Anklam Zielort für Verurteilte aus den Wehrkreisen I, II und XX (Mecklenburg, Pommern, West- und Ostpreußen), den Luftgauen I und XI, dem Ostseebereich der Marine, den Bereichen der Heeresgruppe Nord, des Wehrmachtbefehlshabers Ost-Ostland sowie den besetzten skandinavischen Staaten
Das WG Anklam unterhält Wehrmachtsgefangenenabteilungen (Arbeits- Außenkommandos) in Clauen bei Hannover, Bernau, Fallingsbostel (nördlich von Hannover) und Peenemünde
Beginn der Aufstellung von Feldstrafgefangenen-Abteilungen (FGA) für die Ostfront. In Anklam werden die FGA 3, 8, 11 und 14 aufgestellt und wahrscheinlich kontinuierlich aufgefüllt.
Aus dem WG Anklam kommen mehrere hundert Häftlinge in die Sonderformation Dirlewanger zur Niederschlagung des Warschauer Aufstandes
Die letzten beiden Hinrichtungen finden im WG Anklam statt
Wachpersonal und die wenigen verbliebenen Häftlinge marschieren in Richtung Westen und werden von der Roten Armee festgenommen
Todeszellen werden Erinnerungsstätten, der Rest Getreidelager
keine Nutzung
die Stiftung Zentrum für Friedensarbeit - Otto Lilienthal - Hansestadt Anklam übernimmt das Gebäude
Ehemaliges Wehrmachtsgefängnis Anklam nach umfangreichen Sanierungsarbeiten im Mai 2008