6. Anklamer Friedenstag
dem Gedenken an Hermann Scheer gewidmet
WIE KANN DIE INTERNATIONALE FINANZWELT ZUM WELTFRIEDEN BEITRAGEN

Mehr Stühle mussten geholt werden, um für die gut achtzig Besucher, die am 06.05. 2011 der Einladung des Zentrums für Friedensarbeit gefolgt waren, genügend Plätze zu haben. Aber es gab auch genug Gründe, um an diesem Abend in das ehemalige Wehrmachtsgefängnis der Hansestadt zu kommen. Erinnerung an das Ende des 2.Weltkrieges im Mai 1945, die Zerstörung der Hansestadt und Erinnerung an einen Mann, der versucht hat, wie wenige Politiker in Deutschland, Friedenspolitik zu machen.

Was wäre besser geeignet gewesen an Hermann Scheer zu erinnern als „ Let's make Money". Schonungslos deckt der Film auf; wie Finanzkrisen entstehen. Und das, was der Film offen ließ, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion verständlich. Mit Prof. Christa Luft, angesehene Wirtschaftswissenschaftlerin und Wirtschaftsexpertin der LINKEN, dem SPD Fraktionsvorsitzenden im Landtag von MV, Heinz Müller und Frank Fehre einem erfolgreichen Unternehmensberater aus Essen; war das Podium gut besetzt. Was für eine kranke Welt zeigt der Film, die Zuschauer waren sichtlich betroffen und applaudierten am Ende ganz spontan dem Film, dem Regisseur Erwin Wagenhofer und wohl vor allem Hermann Scheer und seinen mahnenden Worten.

„Das gesamte Denken und Handeln ist verkürzt auf die aktuelle Erzielung einer höchst möglichen Rendite. Koste es, was es wolle," so beschreibt Scheer unsere Welt. Und damit das klappt, werden unter dem Schlagwort „ Privatisierung" Gemeinschaftsgüter von privatem Interessenten aufgekauft oder sogar an diese verschenkt. Aber das ist nach den Worten von Scheer nichts anderes als „Beraubung der Gemeinschaft". Oder wie er zuspitzt: „Hier wird die Gesellschaft enteignet von einem Privaten für eine Sache, die für einen Privaten interessant ist, das heißt die für ihn profiträchtig ist". Nicht wenigen werden bei solchen Worten Gedanken über die „Reprivatisierung" von Volkseigentum der DDR Bürger, durch den Kopf gegangen sein. Und dazu so manches, was die Insel Usedom so interessant für „Investoren" aus der Ferne gemacht hat und offenbar immer noch macht. Der Film bietet andere Beispiele an. Wann und wie in Wien die Straßenbahn fährt, bestimmen nicht die Steuerzahler sondern der Investor, der mit der Straßenbahn Rendite erwirtschaften will. Und wenn das dann geklappt hat mit der Rendite, dann wandert die in eines der Steuerparadiese in denen das Weltvermögen zum Nutzen Einzelner gehortet wird. Und sicher wird auch manchem Angst gemacht haben, was da in Spanien passiert ist. Riesige Immobilienblasen die herrliche Landschaften zerstört haben. Daß da einige an Charmartin und die Immobiliengeschäfte eines Herrn Meermann auf der Insel Usedom dachten, war da wieder nicht verwunderlich.

Und was lehrt uns der Film über Krieg und Frieden in der Welt. Immer wieder stellte Moderator Prof. Stephan Tanneberger diese Frage. Auch darauf gibt der Film unmissverständliche Antworten. Sehr überzeugend werden die kriminellen Machenschaften von G.W. Bush und der Krieg im Irak analysiert. Diejenigen deutschen Spitzenpolitiker, die Herrn Bush dann als Belohnung dafür in Heiligendamm im Strandkorb verwöhnten, sollten sich den Film vielleicht auch einmal ansehen.

Die Diskussion über Krieg und Frieden und das große Geld brachte Heinz Müller mit der Frage auf den Punkt: Was ist Frieden eigentlich? Damit kam er dem Grundsatz des Friedenszentrums sehr nahe, etwas zu tun, für "Frieden zwischen den Menschen und mit der Natur". Und da gibt es klare Fakten, über die an diesem Abend gesprochen wurde. Jährlich 1500 Milliarden für Krieg und Rüstung in der Welt. Da bleibt nichts übrig für Umweltschutz und alternative Energie. Auch über amerikanische Generäle und Krieg wurde geredet. Daß diese den Präsidenten vor dem Krieg in Irak gewarnt haben, weil die wirkliche Gefahr für die USA der Klimawandel sei. Warum Deutschland der drittgrößte Waffenexporteur der Erde ist, wurde gefragt? Und das wir beim Streiten über Kernkraftwerke die 20 Atombomben nicht vergessen dürfen, die noch immer noch auf deutschem Boden lagern.

Aber reden hilft nicht, wurde gesagt. Etwas tun müssen wir. Und Herman Scheer hat uns das vorgemacht. Als Präsident von Eurosolar. Er hat sich damit nicht überall beliebt gemacht. Wie die „ZEIT" einmal schrieb litt an der „ Geschlossenheitsobsession und dem politischen Seelenverlust" der Parteien, wie er das nannte und an einer zunehmenden Harmoniesucht der Fraktionen, die er mit den Worten kommentierte: „Wenn alle einstimmig singen. Ist der Text bedeutungslos". Das Friedenszentrum macht sich auch nicht überall beliebt. Warum wieder niemand von der CDU da war, wurde gefragt? Kann doch nichts Schlechtes sein, ein bisschen mitzudiskutieren, über das was in der Welt passiert. Auch wenn da mal über Marx geredet wird. Oder müssen Christdemokraten den Marx scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Warum eigentlich nicht über Marx reden, sagen doch führende Wissenschaftler in der Welt der Wirtschaft wie Dipankar Gupta aus New Delhi. Gut so, fanden das auch die Zuschauer, nach dem sie Let's make Money gesehen hatten. Und das waren bestimmt nicht alles fanatische Linke. Aber denen machte es eben Spaß nach Neuem zu suchen. Und das ist eben notwendig. „Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts". Ein Satz von Albert Einstein und sicher nicht ohne Grund, ein Lieblingssatz von Hermann Scheer.

Fragen über Fragen standen im Raum.Warum nicht mehr Ehrlichkeit? Presseehrlichkeit wurde angemahnt. Sehr einfach schließlich das Fazit: Wir brauchen mehr ehrliche Politiker, mehr ehrliche Bänker aber auch mehr Ehrlichkeit aller. Und wir brauchen einen Staat der dafür sorgt, daß wir unsere Steuern nicht dafür bezahlen das ein paar „Let's make Money" als „Lets make money for myself" interpretieren. Die Politik und nicht das Geld muss den Staat lenken. Wahre Worte von Peter Ritter (LINKE) an diesem Abend. Worte, die auch von Hermann Scheer, sein könnten.