Zentrum Für Friedensarbeit- Otto Lilienthal-Hansestadt Anklam
PRESSEMITTEILUNG

Über 50 Anklamer, unter Ihnen Bürgervorsteher Starek (Ifa), aber auch Abgeordnete von Linkspartei, SPD und UBL hatten sich am Abend des 1. September im Zentrum für Friedensarbeit zusammengefunden um gemeinsam den Antikriegstag 2010 zu begehen. Das Anliegen der Veranstaltung machte Bürgermeister Michael Galander in seiner Begrüßung klar. Gleich wie wir diesen Tag nennen, ob Weltfriedenstag oder Antikriegstag, es bleibt der Tag an dem deutsche Truppen in Polen einmarschierten und an dem der 2. Weltkrieg begann. Gut, sich daran zu erinnern! In einer Zeit in der sich ein Vorstandsmitglied der Bundesbank nicht schämt, den Menschen Gütesiegel aus Glauben, Herkunft und Heimatland aufzudrücken. Und gut, daß so viele Anklamer der Einladung in das ehemalige Wehrmachtsgefängnis gefolgt waren. Warum sich die Stadtvertreter der CDU der Haltung der NPD anschlossen haben und auch diese Gelegenheit nicht zu einem Bekenntnis zur Friedensarbeit in Anklam nutzten, bleibt unerklärlich.
Der Abend stand ganz im Zeichen des großen Anklamer Flugpioniers Otto Lilienthal. Dr. Bernd Lukasch, Direktor des Lilienthalmuseums der Stadt, hatte es übernommen, dessen Auseinandersetzungen mit einer Zeit, die von Krieg in Europa geprägt war, darzustellen Und er verstand es darzustellen, daß Lilienthal zwar Ingenieur und Unternehmer aber kein Politiker, kein Philosoph war, sondern jemand, der Frieden als ein sehr praktisches Problem betrachtete. Der sich mit dem Thema kleiner und großer Frieden auseinandersetzte. Für den Frieden auch Ehrlichkeit als Unternehmer, Fürsorge für seine Mitarbeiter bedeutete. Lilienthal war ein Mensch der Tat, aber auch einer, der gemeinsam mit Berta von Suttner, Moritz von Egidy <http://de.wikipedia.org/wiki/Moritz_von_Egidy> und Theodor Hertzka <http://de.wikipedia.org/wiki/Theodor_Hertzka> zum Vordenker einer friedlichen Welt zum Wohl aller Menschen wurde. So ist wohl die Vision Lilienthals zu verstehen, die er mit der Erfindung des Fliegens verband: Ewiger Frieden, weil es keine blutige Kämpfe mehr um die durch das Fliegen imaginär gewordenen Grenzen mehr gibt.
Sich mit dieser Vision am Antikriegstag auseinanderzusetzen ist aber keineswegs ein Thema interessanter Historie. Frieden ist im Jahre 2010 nicht mehr ein Problem zum Nachdenken, ein moralisches Anliegen. Es ist ein Thema existenzieller Bedrohung von uns allen geworden. Das war die Botschaft des Friedenszentrums, die Prof. Tanneberger, Vorsitzender des Stiftungsvorstand, zum Ausdruck brachte. Eine Welt, in der jeder Sechste hungert und in der aller sechs Sekunden ein Kind verhungert, die aber andererseits 1500 Milliarden pro Jahr für Krieg und Rüstung ausgibt, hat auf Dauer keine Chance.
Der Abend im ehemaligen Wehrmachtsgefängnis wurde durch den Anklamer Knabenchor unter Leitung von Mike Hartmann musikalisch umrahmt. Der Beifall nach jedem Lied zeigte die Anerkennung nicht nur für einen gelungenen Beitrag, sondern auch Hochachtung für dieses so bescheidene, aber so bemerkenswerte Ensemble der Stadt, das sich uneigennützig für den Abend zur Verfügung stellte. Das taten auch Hausmeister Liebig, Frau Völkert, Frau Wutzke und Frau Schmidt, die einen anspruchsvollen Rahmen für die Gespräche am Randes des Abends geschaffen hatten.